Fuldaer Erklärung des Deutschen Wanderverbandes

Fuldaer Erklärung
des Deutschen Wanderverbandes
125 Jahre Dachorganisation der deutschen Gebirgs- und Wandervereine

Gestern - heute - morgen

125 Jahre nach der Gründung des Deutschen Wanderverbandes sind seine Ziele und die Ziele seiner Mitgliedsvereine immer noch aktuell: das Wanderwesen mit seinem gesamten Umfeld zu fördern. Hierbei nimmt der Naturschutz seit Beginn einen hohen Stellenwert ein. Auch die regionale Kultur wird durch Pflege des Brauchtums erhalten.

Die Leitlinien 2000 des Deutschen Wanderverbandes, die durch die Mitgliederversammlung 1996 in Wernigerode verabschiedet worden waren, bestehen weiterhin fort. Sie beschreiben unter anderem die umfangreichen Aufgaben und Betätigungsfelder des Verbandes und seiner Mitgliedsvereine. Die darin aufgestellten Forderungen müssen zu ihrer Erfüllung nach wie vor aufrechterhalten und fortgeschrieben werden.

Erfreulicherweise hat sich das Wanderwesen in den letzten Jahren positiv entwickelt. In der heutigen Zeit wandert ein großer Teil der Bevölkerung jeder Altersstufe und jeder gesellschaftlicher Stellung in der Freizeit. Die Wandervereine leisten hierbei einen erheblichen Beitrag. Über 200.000 km markierte Wanderwege werden betreut. Gut durchdachte Wegeleitsysteme sind wesentliche Voraussetzungen für unser Projekt „Wanderbares Deutschland“. Durch erfahrene Mitglieder werden jährlich mehr als 110.000 geführte Wanderungen in den Ortsvereinen angeboten. Wanderliteratur und Wanderkarten ermöglichen jedem, sich geeignete Wanderziele auszusuchen und auch unabhängig von einem Wanderführer zu erreichen.

Wandern ist eine naturverträgliche Bewegungsart, die von jedem ohne großen Aufwand betrieben werden kann. Man wandert alleine oder mit einer Gruppe. Aber Wandern ist nicht nur Fortbewegung, sondern vermittelt auch Werte. Der Wanderer erlebt seine Umwelt unmittelbar. Geschulte Wanderführer erläutern Besonderheiten in der Natur und historische und kulturelle Objekte, die menschliche Hand hervorgebracht haben.

Wandern fördert auch die körperliche und geistige Gesundheit.

Der Deutsche Wanderverband und seine Mitgliedsvereine setzen sich für den Schutz der Natur und für die Pflege der Landschaft in besonderem Maße ein. Auf den nahezu ungebremsten Landschaftsverbrauch und den erschreckenden Artenverlust wird seit langer Zeit hingewiesen. Maßnahmen gegen diese Entwicklungen werden mit Nachdruck gefordert.

Die Geschichte der Deutschen Wanderbewegung dokumentiert Nachhaltigkeit in einer Vielfalt von Tätigkeitsfeldern. Der Deutsche Wanderverband bewahrt und vermittelt Werte, steht für bürgerschaftliches Engagement und sieht sich in vielfältiger Verantwortung für die Zukunft unserer Heimat. Hieraus ergeben sich Aufgaben und Forderungen.

Aufgaben und Forderungen

  1. Die Ausbildung der Wanderführer wird erweitert, um Naturerlebnis, Naturverständnis, naturverträgliches Verhalten und nachhaltiges Handeln zu vermitteln. Die bundesweite Anerkennung der erweiterten Wanderführerausbildung wird angestrebt.
  2. Der Deutsche Wanderverband und seine Mitgliedsvereine werden sich den demographischen Veränderungen der Bevölkerung stellen, um die Vereinsarbeit auch in den nächsten Generationen zu sichern.
  3. Der Deutsche Wanderverband und seine Mitgliedsvereine setzen sich verstärkt für die Familienarbeit ein zur Förderung der Integration junger Familien in den Mitgliedsvereinen und zur Sicherung ihrer Zukunftsfähigkeit.
  4. Der Deutsche Wanderverband und seine Mitgliedsvereine machen sich stark um noch mehr Menschen in Bewegung zu bringen. Hierfür entwickelt er gemeinsam mit der Fachhochschule Osnabrück im vom Gesundheitsministerium geförderten Projekt "LET’S GO - jeder Schritt hält fit" fachgerechte Hilfestellungen für Wanderführer. 
  5. Der Deutsche Wanderverband fordert die Anerkennung des Wanderns als gesundheitsfördernde und  - erhaltende Maßnahme im Präventionsgesetz der Bundesregierung.
  6. Der Deutsche Wanderverband fordert die Krankenkassen auf, sich dem Thema "Wandern" weiter zu öffnen und dies in ihren Bonusprogrammen stärker zu berücksichtigen.
  7. Der Deutsche Wanderverband will mit der Qualitätsoffensive  "Wanderbares Deutschland" die bundesweit flächendeckende Vernetzung und nachhaltige Sicherung der Angebotsqualität im Wandertourismus erreichen und Ansprechpartner Nr. 1 für touristische Partner sein, wenn es um Wegeplanung, Wanderangebote und touristische Konzepte geht.
  8. Der Deutsche Wanderverband und die Deutsche Wanderjugend fordern die Kultusministerien der Länder auf, das Schulwandern fest in den Unterrichtsprogrammen zu verankern. Schulen und Lehrer sollen die Kooperations- und Fortbildungsangebote stärker nutzen und ordentliche Wandertage durchführen.
  9. Der Deutsche Wanderverband fordert die Bundesregierung auf, im "Gesetz zur weiteren Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements" die ehrenamtliche Tätigkeit der Mitglieder der Wandervereine direkt anzuerkennen.

Beschluss der Mitgliederversammlung beim 108. Deutschen Wandertag
Fulda, den 27. Juni 2008

Fuldaer Erklärung des Deutschen Wanderverbandes

fuldaer_erkl_rung_27.juni_2008.pdf