Geschichte des Spessartbundes

Bei der Gründung des Deutschen Wanderverbandes waren von 15 deutschen Wandervereinen drei aus dem Spessart vertreten:

Der Verein der Spessartfreunde Aschaffenburg, der Spessart-Touristen-Verein Hanau und der Freigerichter Bund. Seit 1876 bildeten sich Spessart-Wandervereine mit den beiden Kernregionen um Aschaffenburg und Frankfurt. Die Mitglieder der noch jungen Vereine suchten nach Erholung vom harten Arbeitsalltag mitten im Prozess der Industrialisierung. Die Ansätze der beiden Zentren waren unterschiedlich. Den Vereinen um Aschaffenburg ging es um die Erforschung und Erschließung der Heimat, auch in Kooperation mit Geschichts- und Naturschutzvereinen. Die Frankfurter Gruppe strebte eher nach "sportlichem, entspannendem Wandern". Die hinzutretende "natürliche" Spannung zwischen Bayern und Preußen ließ die Spessarter Wanderbewegung in ihren Anfängen zunächst zweipolig wachsen. Gemeinsame Interessen waren Veröffentlichungen zum Thema in der Zeitschrift "Der Spessart", die seit 1906 erschien, sowie der bald offensichtliche Bedarf einer Koordination der neu einzurichtenden Wandermarkierungen.

Diese beiden Aspekte sowie die Erkenntnis, dass man sich gegenüber Behörden nur mit geschlossenem Auftreten durchsetzen konnte, führten 1913 zur Gründung des Spessartbundes in Form einer Arbeitsgemeinschaft ohne institutionelle Bindung. Zur Annäherung trug das jetzt alljährlich stattfindende Bundesfest bei. Die weitere Entwicklung wurde durch den Ersten Weltkrieg verzögert. Danach war es die schwierige Wirtschaftssituation, die das Zusammenwachsen der Vereine vorantrieb. Die Umsetzung der Aufgaben, die sich die Arbeitsgemeinschaft Spessartbund gestellt (und bereits zum Teil übernommen) hatte, wurden 1927 durch die Gründung des Vereins "Spessartbund" mit Sitz in Aschaffenburg ermöglicht. Die Teilverbände lösten sich auf und die Ortsgruppen blieben selbstständig, wurden jedoch ein Teil des Spessartbundes, dessen Hauptvorstandschaft von ihnen gewählt wurde. Als Rechtsperson konnte nun auch finanziell flexibler gehandelt werden, denn die Aufgaben umfassten die Fremdenverkehrswerbung im Spessart, auch in Funktion als Auskunftsstelle, die Tätigkeit als Lobbyist für Verkehrs- und Wirtschaftsverbesserungen und die Zuständigkeit für das Markieren der Wanderwege im Spessart. Die Jugendarbeit erlebte - sichtbar durch das alljährliche Geishöhfest bei Dammbach einen Aufschwung.

Wie andere Verbände wurde der Spessartbund 1933 gleichgeschaltet. Als Erster Vorsitzender wurde qua Amt der Oberbürgermeister der Stadt Aschaffenburg installiert. Der Spessartbund durfte seinen Namen behalten, wurde aber dem Reichsverband für Leibesübungen unterstellt, die Jugend wurde in die Hitlerjugend eingegliedert. Bei Kundgebungen äußerte man sich im Geist der Zeit "für Führer und Vaterland", war aber nicht weitergehend in das politische System des Nationalsozialismus eingebunden. Nach dem Krieg kam es 1946 zu Wiedergründungen von Ortsgruppen und 1948 zur Neuformierung des Spessartbundes. Der Wiederaufbau ließ den Menschen wenig Freizeit, doch waren die kleinen Fluchten mit dem Wanderverein eine erste Möglichkeit der Entspannung in einem schwierigen Nachkriegsjahrzehnt eine Art erster Urlaub, bevor im Wirtschaftswunder die Sehnsucht nach Italien aufkam.

Bis zum Ende der 1960er Jahre konsolidierte sich der Mitgliederstand auf etwa 10.000 Personen. Inhaltlich setzte sich der Spessartbund mit der Erholungsfunktion des Spessarts auseinander. Deshalb war er führend an der Gründung des Naturparks Spessart beteiligt. Die gesellschaftlichen Umwälzungen der 1968er-Generation hatten dann auch Auswirkungen auf die Vereinsstruktur der Mitgliedervereine. Seit diesem Zeitpunkt kam die Jugend nicht mehr automatisch über die Eltern in den Wanderverein (bzw. nur noch bis zur Pubertät), danach gingen die jungen Leute ihren eigenen Weg. Dieser Entwicklung arbeitete man z. B. durch den Aufbau von Jugend-Mandolinenkapellen entgegen. Für die damals mittlere und ältere Generation gewann der Spessartbund an Attraktivität, so dass die Mitgliederzahl stieg.

Mit 16-18.000 Mitgliedern ist die bislang höchste Mitgliederzahl erreicht und hält sich bis in die Gegenwart auf diesem Niveau. Das Wissen um den Spessart und um die Schönheit seiner Landschaft bewogen den Spessartbund dazu, sich für den Deutschen Wandertag zu bewerben, der 1997 in Aschaffenburg stattfand. Dieser erfolgreiche Event wirkt durch die vielen tausend auswärtigen Teilnehmer bis heute für den Bekanntheitsgrad des Spessarts nach. In den folgenden Jahren kündigte sich die Notwendigkeit des Generationswechsels auf allen Ebenen an, sowie die Einsicht, dass den gesellschaftlichen Veränderungen seit 1990 in der Vereinsarbeit Rechnung getragen werden muss. Ein erstes Ergebnis dieser Entwicklung ist der Wechsel zu einer jüngeren Hauptvorstandschaft sowie die Einrichtung einer neuen Geschäftsstelle in der Aschaffenburger Fußgängerzone im Jahr 2006, um den Spessartbund in der Öffentlichkeit besser zu präsentieren.

Mit dem "Konzept 2009" hat sich der Spessartbund Ziele für die Zukunft gesetzt. Dabei geht es um eine bessere Vernetzung untereinander, eine stärkere Außenwahrnehmung und um die zeitgemäße Neumarkierung der Wanderwege im Spessart. Wir wollen das Potenzial des Spessartbundes mehr ausschöpfen: Mit dem Guinness-Weltrekord für das größte Mandolinenorchester der Welt im Jahr 2005 ist dies unter Leitung der Wanderjugend im Spessartbund bereits in einem Teilbereich erfolgt. Darüber hinaus steckt im Spessart mehr als das Klischee aus "Wald und Räubern" -   er ist eine lebendige und vielfältige 8.000 Jahre alte Natur- und Kulturlandschaft.

In Zeiten einer starken Visualisierung der Gesellschaft kann der Spessartbund nicht mehr automatisch auf öffentliche Unterstützung hoffen. Die Vermittlung der im Ehrenamt getätigten Kompetenz in Sachen Wandern, Wege, Kultur, Natur und Jugend im Spessart an die Öffentlichkeit und an die Politik ist darauf ausgerichtet, dass der Spessartbund als unverzichtbarer und zu fördernder Partner, also als Lobbyist, für den Spessart verstanden wird ? für die Heimat wie für den Tourismus

 

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