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Trauerfeier von Hanns-Erich Heckelmann am 11. Dezember 2010 in Glattbach:
Liebe Familie Heckelmann, liebe Angehörige, werte Trauergemeinde,
für den Spessartbund und im Namen des Gesellschaftsvereins Glattbach darf ich meine Anteilnahme ausdrücken.
Trauer-Ansprache im Mittl.Absatz bitte weiter lesen.....
Wir wissen, dass wir als Außenstehende nur ansatzweise den Schmerz vermuten können, den der Verlust des Ehemannes und Vaters mit sich bringt.
Der Tod reißt eine Lücke in den Familienverband, in den Freundeskreis und – bei Hanns-Erich ganz besonders – in den Spessartbund, dessen Vorsitzender er war. 15 Jahre lang hat er dessen Geschicke gelenkt und 2006 das Steuer an mich weitergereicht. Er hat den Verband nicht nur hervorragend als ehrenamtlichen Ganztagesjob nach dem Ende seiner Berufszeit geführt; es ist ihm sogar gelungen, in dieser Zeit eine Saat zu sähen, die nun aufgeht. Und ich glaube, dass er uns damit etwas auf den Weg gegeben hat, von dem ich nun sprechen möchte.
Ich muss gestehen, dass ich sehr überrascht war, als Hanns-Erich vor acht Jahren bei mir im Büro stand - damals noch im Schloss, nachdem er mich um ein Gespräch gebeten hatte. Bislang kannte ich ihn als den älteren Herrn, der sich bei der einen oder anderen Sitzung von Naturpark und Tourismusverband durchaus kritisch über die neuen Kulturwege geäußert hatte. Nun saß er mir gegenüber und fragte mich, ob ich mir nicht vorstellen könne, 3. Vorsitzender des Spessartbundes zu werden.
Mich fragte er, den Historiker, der bis dahin nur wenig vom Spessartbund gehört hatte und nicht wusste, was dieser Verband eigentlich tat. Wer sollte mich wählen wollen, den doch keiner kannte und der - wie ich bald sehen sollte - der Sohn der meisten übrigen Vorstandsmitglieder hätte sein können? Aber Hanns-Erich machte den Eindruck eines Mannes, der genau weiß, was er will (und in diesem Fall wusste er es viel besser als ich selbst).
In der Annahme, ihn zu überrumpeln, machte ich im Gegenzug den Vorschlag, dass er damit rechnen müsse, dass ich mich aktiv in die Vereinsarbeit einmischen würde. Das hat ihn aber nicht beeindruckt und schon gar nicht abgeschreckt.
Wir wurden also einig und diese Idee Hanns-Erichs, einen Quereinsteiger mit ins Boot zu nehmen, hat mein Leben entscheidend verändert. Nicht nur, aber vor allem deshalb bin ich ihm bis heute für diese Entscheidung dankbar.
Seine Fähigkeit, die richtigen Menschen im passenden Augenblick zu finden und für sich zu gewinnen, hat dem Spessartbund Impulse gegeben – lebensnotwendige Impulse in einer Zeit, in der Vereine um Nachwuchs zu kämpfen haben. So trugen und tragen mit Hans Nürnberg, Frank Oberle, Helmut Winter und anderen seine Entdeckungen Verantwortung im Vorstand. Und auch Herbert und Heidrun Schuck hat er nach langen Jahren der Abwesenheit wieder geholt.
Hanns-Erich war ein Meister der Organisation - der wohldurchdachten Organisation. Welche Fragen auch immer zu beantworten, welche Knoten zu lösen waren: Er hat sich Informationen geholt, geplant und dann entschieden - und zwar gemeinsam mit seinem Vorstand, so wie beim Ankauf der neuen Geschäftsstelle. Es gab mehrere Ladengeschäfte in Aschaffenburg, die zur Auswahl standen und in dieser Frage hat er besonderen Weitblick bewiesen, denn für die Außenwirkung des Spessartbundes ist der gewählte Standort in der Treibgasse nahe der Fußgängerzone heute von größter Bedeutung.
Viele kommen bei ihren Einkäufen vorbei und nehmen den Spessartbund nun als lebendigen Teil des städtischen Lebens wahr.
Nach dem Kauf der Immobilie lag der Hauptteil der Arbeit aber noch vor uns. Das durch den Vorbesitzer arg in Mitleidenschaft gezogene Ladengeschäft musste komplett entkernt und neu eingerichtet werden. Gerade bei dieser handwerklich und gerade auch finanziell schwierigen Aufgabe erwies es sich als unschätzbaren Vorteil, dass Hanns-Erich beruflich erfolgreich als Leiter des Einkaufs bei Linde in Aschaffenburg gearbeitet hatte. Zielstrebig ging er bei der Planung, dem Ausbau und Einrichtung der neuen Geschäftsstelle voran - und immer wieder bezog er seinen Vorstand bei Weichenstellungen mit ein.
Auf diese Weise verwandelte er das Spessartbundhaus in Heinrichsthal in die Geschäftsstelle des Spessartbundes - er machte ein für die Zukunft erworbenes Gebäude zu einem für die Zukunft arbeitenden Motor des Spessartbundes - ganz anders als gedacht und viel besser als für möglich gehalten.
Ein Verband von der Größe und der Vielfalt des Spessartbundes wird nicht von einem einzigen Ziel zusammengehalten, wie bei einem Sport- oder Musikverein. Bei uns ist das der Naturschutz genauso wie das Wandern in der Gruppe, das Mandolinenspiel ebenso wie die Jugend- und Familienarbeit. Ein ganz zentraler Punkt - auch für die Gründung des Spessartbundes im Jahr 1913 - ist die Markierung der Wanderwege. Denn wenn wir die Wege nicht kennzeichnen, welcher Besucher findet sich dann noch im Wald zurecht? Welcher Einheimische weiß dann hinter dem übernächsten Berg noch Bescheid? Was würde der Tourismus ohne unsere Markierer tun?
Hanns-Erich hat früh erkannt, dass die Markierungen in der Region einer Überarbeitung bedürfen und ihm war klar, dass der Spessartbund diese Herausforderung nicht allein stemmen kann. In unermüdlicher Überzeugungsarbeit hat er seit 2003 die lokalen und regionalen Gremien sowie den Bayerischen Naturpark dazu bewegt, gemeinsam dieses Projekt anzugehen, das nun kurz vor seiner Vollendung steht.
Erstmals verfügt der Spessartbund über digitale Daten der Wanderwege der Region.
Erstmals erscheinen Spessartkarten im Maßstab 1:25.000 und erstmals wird ein dauerndes nachhaltiges Wegemanagement in der Region eingerichtet. Es braucht einen klugen Kopf, diese Neuerungen zum Gelingen in die richtigen Bahnen zu lenken – wir haben ihn gehabt.
Auch Menschen wollen für eine gemeinsame Sache begeistert sein. Als Hanns-Erich 1991 nach Abschluss seiner Berufstätigkeit 1. Vorsitzender wurde, übernahm er einen Verband, dessen Mitgliederzahl sein Vorgänger Josef Braun von 7.000 auf 16.000 mehr als verdoppelt hatte. Jetzt kam es darauf an, den Spessartbund auf ein gemeinsames Ziel hinzuführen und dieses gemeinsame Ziel war der Deutsche Wandertag 1997 in Aschaffenburg. Mit Hanns-Erichs Organisationsgeschick und einem großen Team engagierter Mitstreiter präsentierte sich der Spessartbund als ein Verband vielfältiger Vereine, die sich zu einem großen Ganzen ergänzen. Die Feier des Deutschen Wandertages 1997 in Aschaffenburg war mit etwa 30.000 Teilnehmern ein Riesenerfolg und machte Aschaffenburg und den Spessart unter Wanderern deutschlandweit bekannt.
Doch Hanns-Erich dachte weiter. Unter seiner Führung wurde das Konzept 2009 entwickelt und durchgeführt, das die Basis für die Modernisierung des Spessartbundes mit dem Konzept 2013 wurde. Auch hier haben wir ein klares gemeinsames Ziel: Eben jenes Jahr 2013, in dem der Spessartbund sein 100-jähriges Jubiläum feiert.
Bei allem Einsatz für den Spessartbund warf Hanns-Erich immer auch den Blick über den Tellerrand. Er erkannte, dass man von den Erfahrungen anderer profitieren konnte und selbst gewinnt, wenn man sich in den Dachverbänden einsetzt. So engagierte er sich im Deutschen Wanderverband, in den Landesverbänden Bayern und Hessen sowie in Baden-Württemberg.
Es ist eine beeindruckende positive Bilanz, die der Mensch Hanns-Erich Heckelmann für den Spessartbund aufzuweisen hat. Wenn er auf seinem Weg einmal eine Richtung eingeschlagen hatte, hielt er am Kurs fest. Damit konnte er es nicht jedem recht machen, aber wer Verantwortung trägt, muss auch entscheiden – und dieser Herausforderung stellte er sich stets. Dabei konnte man sich auf Hanns-Erich verlassen, wenn er eine Zusage gegeben hatte, egal welche Schwierigkeiten auftraten. Damit gab er denen, mit denen er zusammengearbeitet hat, Sicherheit in ihrem eigenen Tun.
Und er blieb stets offen für Veränderungen: Den Satz "Man kann sich alles vorstellen" hörte ich oft von ihm.
Als Ehrenvorsitzender war Hanns-Erich ab 2006 nach wie vor in der Vorstandschaft tätig, die auf seinen Ratschlag und Erfahrung bauen konnte und für die er weiterhin wichtige Termine wahrnahm. Aus seinem reichen Erfahrungsschatz konnten wir immer wieder schöpfen. Wenn ich ihn um Rat fragte, konnte er ihn mir geben. Wenn ihm etwas nicht gefiel, hat er es gesagt - und damit war es gut. Kurz gesagt - einen besseren Vorgänger konnte ich mir nicht wünschen.
Wenn man es auf einen kurzen Nenner bringen will: Hanns-Erich hat sich in seiner Zeit als Vorsitzender auf den Spessartbund konzentriert. Das hat dem Verband und seinen Mitgliedern sehr gut getan.
Nun ist er nicht mehr da, doch er hat etwas geschafft, was sicher nicht sehr viele Menschen am Ende ihres Lebens von sich sagen können: Er hat – um es mit der Landwirtschaft zu umschreiben – sein Feld bestellt, die Saat gesät und seinen Bauernhof gut ausgestattet.
Der Mensch Hanns-Erich Heckelmann ist gegangen. Aber er fordert uns auf, sein Werk fortzuführen:
Und das ist der Punkt, wo sein Wirken und sein Name nicht verblassen, sondern seine Botschaft gilt, die er uns wohl vorbereitet mitgegeben hat und die lautet: Arbeitet gemeinsam weiter an den Grundlagen, die ich geschaffen habe! Haltet zusammen im Spessartbund mit und für die Menschen der Region. Sorgt für die Zukunft eurer Vereine! Gebt euren möglichen Nachfolgern einen Vertrauensvorschuss!
Wenn wir Hanns-Erichs Erbe, den Spessartbund, fortführen auf der Basis, die er gelegt hat, tragen wir auch ein Stück von ihm in uns.
Das sollte uns über seinen Tod hinaus nicht nur Trost spenden, sondern es sollte auch eine Perspektive sein, die er uns, den Überlebenden, hinterlässt.
Lasst uns zum Schluss gemeinsam das Spessartbundlied singen – sein Lied und unser Lied!
Der Vorstand des Spessartbundes Aschaffenburg
Gerrit Himmelsbach, Helmut Winter, Angelika Krebs