Scheckübergabe zur Restaurierung der historischen Spessartkarte A 11 aus dem Jahre 1584

„Ein Stück Heimat ist gerettet“, so Dr. Gerrit Himmelsbach, Projektleiter Landschaftsmanagement des Archäologischen Spessartprojekts und Vorsitzender des Spessartbundes, während einer Feierstunde in Lohrhaupten. Denn die erforderlichen Gelder zur Restaurierung der sogenannten Karte „A 11“ des Kartenmalers Elias Hoffmann aus dem Jahre 1584 sind nun zusammen gekommen. Am Samstagnachmittag übergaben die Gemeinde Flörsbachtal, das Archäologische Spessartprojekt, der Spessartbund und die Kreissparkasse Gelnhausen einen Scheck in Höhe von 19000 Euro an das Hessische Staatsarchiv Marburg.

Im Vorfeld hatten Paul Reinert und Udo Weiß aus Lohrhaupten innerhalb von zweieinhalb Jahren Ausstellungen in mehreren Spessart-Orten mit einem Faksimile der A 11, sowie Kopien historischer regionaler und lokaler Karten organisiert. Dabei wurden Spenden in Höhe von insgesamt 9000 Euro gesammelt. Weitere 10000 Euro kamen von der „Walther und Erika von Dietrich - Dr. med. Elfriede Burger-Stiftung“.
„Diese Scheckübergabe soll gleichzeitig der Startschuss für die Restaurierung der Karte A 11 sein“, sagte Bürgermeister Frank Soer. Diese Restaurierung soll im Juni in Angriff genommen werden und wird etwa ein Jahr dauern, erklärte Dr. Katrin Marx-Jaskulski vom Hessischen Staatsarchiv Marburg, wo sich die Originalkarte befindet. Sie sei eine der bedeutendsten der insgesamt rund 200000 Karten die das Staatsarchiv beherbergt. Dies sei zum einen auf die künstlerische Ausgestaltung der Karte, aber auch auf die große Genauigkeit, mit der Kartenmaler Elias Hoffmann gearbeitet habe, zurück zu führen.
Die erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler stellte die Karte A 11 als kulturhistorische Besonderheit dar und lobte das ehrenamtliche Engagement, das nun dazu geführt habe, dass die Karte restauriert werden könne.

Prof. Helmut Flachenecker, der Inhaber des Lehrstuhls für Fränkische Landesgeschichte der Universität Würzburg, bezeichnete die Karte A 11 als „wichtige Momentaufnahme der Entwicklung der Kulturlandschaft der zweiten Hälfte des 16-ten Jahrhunderts“. Sie eröffne den Blick auf vergangene Herrschaftsverhältnisse im Übergang der Besitzverhältnisse von der Grafschaft Rieneck zur Grafschaft Hanau.

Nach erfolgter Restaurierung könne diese Karte als Scan auf dem heimischen Computer dargestellt werden, was eine unbegrenzte Zahl von Nutzern dieser Karte und damit weitere Forschungen vor Ort ermögliche.Gerhard Kleespies, der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Gelnhausen, lobte die gute Zusammenarbeit mit der Universität Würzburg, die im Gebäude der Filiale der Kreissparkasse in Lohrhaupten eine Forschungsstelle betreibe und nun zusätzlich im Dachgeschoss eine Wohnung angemietet habe.Schon bisher habe die Karte des Elias Hoffmann als Arbeitsgrundlage für verschiedene Forschungen gedient, sagte Paul Reinert. Er nannte die Forschungen zur Wehrkirche in Lohrhaupten, die Erforschung von Handelswegen im Spessart und das Projekt zur Erforschung der Grenzverläufe und den historischen Grenzsteinen, das Johanna Lehmann in Lohrhaupten durchgeführt hat. Sie selbst bezeichnete die historischen Karten als Sammlung wichtiger historischer Daten.

Dr. Gerrit Himmelsbach erklärte, dass die Karte A 11 etwa 50 Prozent des hessischen Spessarts und etwa 30 Prozent des bayerischen Spessarts abdecken. Etwa 50 Ortschaften seien in ihr sehr detailreich abgebildet. Auch er rechnet damit, dass die restaurierte Karte zu weiteren Forschungen anrege und damit nicht nur Wissen, sondern auch eine emotionale Bindung im Spessart entstehe.

Dr. Andreas Hedwig, der Leiter des Hessischen Staatsarchivs Marburg, bedankte sich für das große Engagement der Menschen im Spessart, das nun den Grundstein zur Restaurierung und für weitere Forschungen lege.

 

©Holger Senzel