Beschluss Windkraft im Spessart

der Vertreterversammlung am 12. November 2011 in Eschau

 

Position des Spessartbundes zu Windkraftanlagen im Spessart



Präambel:


Die inzwischen in der Bundesrepublik Deutschland eingeleitete Energiewende, hin zur Er-zeugung mehr regenerativer Energie auch mit Hilfe von Windrädern, wird sich auf Umwelt, Natur und Landschaft auch im Spessart auswirken. Zweifellos ist die Windenergie, erzeugt in der Region für die Region, für den Schutz des Klimas und für den Schutz der Gesundheit menschlichen und tierischen Lebens die bessere Alternative zur Energie aus Kohle- und Atomkraftwerken. Dennoch sind bei der Errichtung auch von raumbedeutsamen Wind-energieanlagen im Naturpark und Landschaftsschutzgebiet Spessart die Belange des Natur-, Arten- und Landschaftsschutzes vorrangig zu beachten. Denn der Spessart ist mit seinen großen geschlossenen Wäldern, seinen natürlichen Landschaftsstrukturen und seiner relativ dünnen Besiedlung von herausragender Bedeutung als Lebensraum für Pflanzen und Tiere und als Erholungsraum für die Menschen. Der Spessartbund fühlt sich dem Klimaschutz und dem Schutz menschlichen Lebens als auch dem Schutz der Natur, der Artenvielfalt und der Landschaft verpflichtet. In Abwägung dieser vielfältigen Anforderungen überarbeitet der Spessartbund seine Stellung zu Windkraftanlagen im Spessart vom 08.11.2003 und bekennt sich zu einem natur- und landschaftsverträglichen Ausbau der Windkraft, stellt jedoch Forderungen für die landesplanerischen Vorgaben. Als geschlossenes Waldgebiet weist der Spessart ein im Vergleich zu anderen Waldgebieten charakteristisches, unverwechselbares Landschaftsbild auf, das nicht durch eine „Verspargelung“ der Landschaft zerstört werden darf.
Nach wie vor vertritt der Spessartbund die Forderung, dass die Ziele des Klimaschutzes und der Energiewende vor allem durch Energiesparen und Senkung des Energieverbrauchs durch bessere Technik und verstärkten Wärmeschutz in Gebäuden erreicht werden sollen. Außerdem muss das noch vorhandene Ausbaupotential an Wasserkraftwerken genutzt werden.

Forderungen:


Über die Natur- und Landschaftsverträglichkeit von Windkraftanlagen entscheidet zu allererst die Standortwahl. Die Errichtung von Windkraftanlagen in den Landschafts-schutzgebieten des Naturparks Spessart erfolgt ausschließlich in eigens hierfür im Regionalplan ausgewiesenen Vorranggebieten. Die Auswahl dieser Vorranggebiete erfolgt nach objektiven Kriterien und im Einvernehmen mit den anerkannten Natur- und Umwelt-schutzverbänden.

 

Bei der Auswahl von Vorranggebieten für Windkraftanlagen im Naturpark Spessart sind aus der Sicht des Spessartbundes ausgeschlossen:

  1. Standorte innerhalb der Natura-2000-Gebiete (FFH-Gebiete, Vogelschutzgebiete) und innerhalb der Naturschutzgebiete.
  2. Standorte in unmittelbarer Nähe zu bekannten Brut- und Nahrungsgebieten europa-weit geschützter Vogelarten wie z. B. Schwarzstorch, Wespenbussard, Rot- und Schwarzmilan, Uhu, Kolkrabe, Wanderfalke sowie der Fledermaus u.a.
  3. In der Landschaft exponierte Standorte, genutzt als Aussichtspunkte oder weithin sichtbar.
  4. Standorte in unmittelbarer Nähe zu Kultur- und Bodendenkmalen.
  5. Standorte näher als 1.000 m zur Wohnbebauung und näher 150 m zu Straßen und Hauptwanderwegen.


Die Ausweisung von Vorranggebieten sollte sich grundsätzlich an bereits das Landschaftsbild beeinträchtigende Gebiete und Linien (z. B. Autobahn, Gewerbe- und Industriegebiete u.a.) orientieren.

Bei der Standortwahl für Windkraftanlagen im Spessart außerhalb der Naturparkgrenzen sind ebenso die vorgenannten ausschließenden Kriterien grundsätzlich zu berücksichtigen. Der Artenschutz zum Erhalt höchster Artenvielfalt hat oberste Priorität, gefolgt vom Erhalt typischer und ungestörter Landschaftsbilder des Naturraumes Spessart.

Wirtschaftliche Nutznießer der Windenergieerzeugung sollten die Bürger und Bürgerinnen der von Windkraftanlagen betroffenen Gemeinden sein. Der Spessartbund begrüßt daher die Gründung genossenschaftlicher Modelle zu Finanzierung und Betrieb von Windkraftanlagen. Die genossenschaftlichen Modelle sollten Gemeindegrenzen übergreifend sein.


Erwartung:


Die Energieerzeugung mithilfe der Windkraft fördert den Klimaschutz und ist bei Berück-sichtigung genannter Forderungen bei der Standortswahl, des Naturschutzes, der  Natur, Artenvielfalt und dem Landschaftsbild grundsätzlich unterstützenswert. Nur bei Beteiligung der Bürger und Bürgerinnen am Planungsverfahren sowie bei Finanzierung und Betrieb der Anlagen kann Akzeptanz für die Windenergieerzeugung erwartet werden.
Bei der Überarbeitung des Regionalplans und der für die Landschaftsschutzgebiete im Natur-park Spessart einschlägigen Verordnungen sollen die Naturschutzverbände beteiligt werden.


Eschau, 12. November 2011